Tuvalu


Tuvalu
Tu|va|lu; -s:
Inselstaat im Pazifischen Ozean.

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Tuvạlu,
 
 
 
Fläche: 26 km2
 
Einwohner: (2000) 11 000
 
Hauptstadt: Funafuti
 
Amtssprachen: Tuvaluisch, Englisch
 
 
Währung: 1 Australischer Dollar ($A) = 100 Cents (c)
 
Zeitzone: 2300 Funafuti = 1200 MEZ
 
Staat im südwestlichen Pazifik, zwischen 5º 30' und 11º südliche Breite sowie 176º und 180º östliche Länge; umfasst die 4 000 km nordöstlich von Australien gelegenen Ellice-Inseln, eine Gruppe von neun Atollen (Nanumea, Nanumanga, Niutao, Nui, Vaitupu, Nukufetau, Funafuti, Nukulaelae, Niulakita). Landfläche: 26 km2 in einem beanspruchten Meeresgebiet von 1,3 Mio. km2, (2000) 11 000 Einwohner; Hauptstadt ist Funafuti; Amtssprachen: Tuvaluisch (ein polynesischer Dialekt) und Englisch; Währung: 1 Australischer Dollar ($A) = 100 Cents (c), wertgleich der Tuvalu Dollar; Uhrzeit: 2300 Funafuti = 1200 MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der Verfassung vom 1. 10. 1978 ist Tuvalu eine konstitutionelle Monarchie im Commonwealth. Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der Exekutive ist der britische Monarch, vertreten durch einen einheimischen Generalgouverneur, der auf Vorschlag des Premierministers ernannt wird. Die Regierung ist dem Parlament verantwortlich, das auch den Premierminister aus dem Kreis der Parlamentsabgeordneten wählt. Die Legislative liegt beim Einkammerparlament (12 auf vier Jahre gewählte Mitglieder).
 
Parteien:
 
Parteien existieren nicht.
 
 
Das Wappen besteht aus einem Schild, auf dessen breitem gelbem Rand abwechselnd acht grüne Blätter und acht weiße Muscheln abgebildet sind. Der eigentliche Schild zeigt über blaugelben Wellen und einem schmalen grünen Landstreifen ein traditionelles Versammlungshaus. Den unteren Abschluss der Gesamtdarstellung bildet ein Schriftband mit dem Motto »Tuvalu Mo Te Atua« (»Tuvalu für Gott«).
 
Nationalfeiertage:
 
1. 10., erinnert an die Erlangung der Unabhängigkeit 1978.
 
 
Die acht größten, bewohnten Inseln besitzen jeweils einen gewählten Inselrat als Exekutive für lokale Angelegenheiten.
 
 
Grundlagen des Rechts sind traditionelles und britisches Recht. Der Gerichtsaufbau besteht aus Gerichten mit eingeschränkter Gerichtsbarkeit auf den acht größten Inseln, aus Magistratsgerichten und dem High Court. Letzte Berufungsinstanz ist der Privy Council in London.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Die neun Atolle (mit 50-560 ha) liegen in einer Kette, die sich über 590 km von Nordwesten nach Südosten erstreckt. Sie sind fast alle von Riffen umgeben und ragen nur bei Ebbe mehr als 5 m über den Meeresspiegel auf. Das Klima ist tropisch-maritim; die Jahresmitteltemperatur liegt bei 26-32 ºC (geringe jahreszeitliche Schwankungen), die jährliche Niederschlagsmenge bei 3 000-4 000 mm (Hauptregenzeit von Oktober bis März); Taifune treten nur selten auf. Die Vegetation besteht überwiegend aus Kokospalmen, daneben finden sich Schraubenbaum und Brotfruchtbaum.
 
 
Die Bewohner der neun bewohnten Atolle sind fast ausschließlich mit den Samoanern und Tokelauern verwandte Polynesier (auf Nui Mikronesier aus Kiribati). Die Hauptstadt hat (1993) 4 000 Einwohner. Im Ausland leben etwa 1 000-1 500 Tuvaluer.
 
 
Es besteht Religionsfreiheit. Die kongregationistische »Church of Tuvalu« (Ekalesia Tuvalu), der rd. 94 % der Bevölkerung angehören, besaß bis 1964 den Status der »etablierten Kirche« Tuvalus. Rd. 2 % der Bevölkerung sind Adventisten, rd. 1 % gehört der katholischen Kirche an (Mission Funafuti). - In geringer Zahl gibt es Zeugen Jehovas und Bahais.
 
 
Ab dem sechsten Lebensjahr besteht Schulpflicht. Es gibt neun Primarschulen, auf Vaitupu eine Sekundarschule. Die Analphabetenquote beträgt 5 %. Auf Funafuti befindet sich eine Abteilung der University of the South Pacific (Suva).
 
 
Ein vom Rundfunk- und Informationsministerium herausgegebenes Blatt, »Tuvalu Echos«, erscheint 14-täglich in englischer Sprache, außerdem monatlich die kirchliche Publikation »Te Lama«. »Radio Tuvalu«, gegründet 1975, strahlt ein Hörfunkprogramm (43 Stunden wöchentlich) in Tuvaluisch und Englisch aus; ein eigener Fernsehsender existiert nicht.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Tuvalu ist wirtschaftlich kaum entwickelt, denn die kleinen flachen Inseln bieten mit ihren nährstoffarmen Böden nur geringe Siedlungs- und Anbauflächen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner von (1994) 924 US-$ gehört es zu den ärmsten Ländern der Pazifischen Inseln. Die Inflationsrate lag (1985-93) bei 3,9 %. Ein Teil der Erwerbstätigen arbeitet im Ausland, v. a. in den Phosphatminen auf der nordwestlich von Tuvalu gelegenen Insel Nauru sowie als Seeleute auf ausländischen Schiffen. Die Bevölkerung lebt überwiegend von Subsistenzwirtschaft, v. a. durch Kopragewinnung (in Kleinbetrieben) und Fischerei (Fangmenge 1994: 561 t). Das getrocknete Kokosfleisch dient als Grundlage zur Herstellung von Kokosfett, Seifen und Kerzen. - Der Tourismus ist noch nicht entwickelt.
 
 
Die Exporte Tuvalus decken nur einen geringen Teil der Importausgaben. Kokosnüsse sind das einzige landwirtschaftliche Exportgut. Devisen fließen Tuvalu zusätzlich aus der Vergabe von Fischereilizenzen, dem Handel mit Briefmarken und aus Geldüberweisungen der im Ausland arbeitenden Tuvaluer zu. Importiert werden müssen v. a. Nahrungsmittel, Erdölprodukte, Maschinen. Haupthandelspartner sind Australien, Fidschi und Neuseeland.
 
Verkehr:
 
Auf Funafuti besteht ein ausgebautes Straßennetz. Dort befinden sich auch ein Hafen und ein internationaler Flughafen.
 
 
1568 wurde die erste Insel durch den Spanier A. de Mendaña de Neira entdeckt. Seit den 1820er-Jahren steuerten Walfänger die Inseln an; die christliche Mission begann in den 1860er-Jahren. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Dezimierung der Bevölkerung durch Sklavenhändler und von Europäern eingeschleppte Krankheiten. Die Ellice-Inseln waren seit 1892 britisches Protektoratsgebiet, ab 1916 Bestandteil der britischen Kronkolonie Gilbert and Ellice Islands. Nach Referendum (1974) und Umbenennung in Tuvalu (1975) kam es am 1. 1. 1976 zur endgültigen administrativen Trennung von den Gilbertinseln (Kiribati, Geschichte). Tuvalu erhielt im Mai 1978 innere Selbstverwaltung und am 1. 10. 1978 die Unabhängigkeit.
 
 
G. Koch: Die materielle Kultur der Ellice-Inseln (1961).

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Tu|va|lu; -s: Inselstaat im Pazifischen Ozean.

Universal-Lexikon. 2012.